avant-verlag im Herbst 2020

Auch das Programm des Berliner avant-verlags für den Herbst hat es in sich. Auf dem Cover der Vorschau wird der Schwerpunkttitel Goldjunge von Mikael Ross präsentiert, der im November diesen Jahres erscheinen soll. Erzählt werden die Jugendjahre von Ludwig van Beethovens. Einen Eindruck der Geschichte konnte bzw. kann man sich im gerade neu erschienenen Polle-Magazin machen, denn dort wird ein Auszug der Geschichte vorabveröffentlicht. Allerspätestens seit Der Umfall zählt Mikael Ross zu den besten Comiczeichnern Deutschlands und man kann auf den neuesten Wurf gespannt sein. Coronabedingt wurden die bundesweiten Beethoven Jubiläumsveranstaltungen bis zum September 2021 verlängert.

Katharina Greve ist mit Die letzten 23 Tage der Plüm ihrer in der taz vorveröffentlichten Parabel auf das Ende der Welt und die Unfähigkeit zum klugen Handeln angesichts der Katastrophe, im Programm vertreten.

Mit fast 600 Seiten überrascht das Deutschlanddebüt Dreimal spucken des italienischen Autors Davide Reviati um Freundschaft, Alltagsrassismus, die Pubertät und deren Übergang ins Erwachsenendasein, verwoben mit der Geschichte der Sinti und Roma in Europa. In Italien vielfach ausgezeichnet, erscheint diese Geschichte vom Leben in der italienischen Provinz der 60er Jahre endlich auch auf Deutsch.

 

Schon im Titel XES, doppeldeutig als das englische Wort „excess“ oder rückwärts buchstabiert, als SEX zu lesen, verweist Autor Florian Winter auf die verdrehte Wahrnehmung eines Mannes, der an Sexsucht leidet.

Hannah Brinkmann arbeitet in ihrem für den Leibinger-Preis nominierten Debüt Gegen mein Gewissen das Schicksal ihres Onkels auf, das in den 1970ern bundesweit Schlagzeilen machte und eine Debatte über die Rechtmäßigkeit der Gewissensprüfung auslöste. Unaufgeregt, einfühlsam und brillant recherchiert, erzählt die Hamburger Comickünstlerin vom Aufbegehren gegen Autoritäten und dem Kampf für das Richtige.

In Warum wir müde sind gibt Michael Jordan nach vielen Kurzgeschichten, Anthologiebeiträgen und Kollaborationen sein Graphic Novel-Debüt.

Auch wenn viele der urspünglich geplanten Gastlandaktivitäten Kanadas zum Comic-Salon in Erlangen und vor allem der Frankfurter Buchmesse ausfallen werden, erscheinen doch einige der kanadischen Autor*innen. Wie Dinge sind von gg ist ihre erste Graphic Novel und zeigt, weshalb sie zu den interessantesten neuen Stimmen Nordamerikas zählt. Mit ihren oft wortlosen, sehr detaillierten Sequenzen, die durch den Verzicht auf Sprechblasen oft wie untertitelte Standbilder aus einem Nouvelle Vague-Film erscheinen, schafft sie eine unvergleichliche Atmosphäre.

Herunterladen lässt sich die gesamte Vorschau hier.