Mieterkampf und Trauerarbeit

Tina Brenneisen, Bergstrasse

In einem Beitrag in der Sendung Corso im Deutschlandfunk wird der Comic „Bergstraße 68“ von Tina Brenneisen und Veronica Solomon vorgestellt. Das Gespräch mit Juliane Reil kann man nachhören unter dem Titel „Kein ideologisches Muster von Gut und Böse“. In dem Comic, der in Tina Brenneisens eigenem Verlag Parallelallee erscheint, geht es um die drohende Verdrängung einer Familie aus ihrer Mietwohnung, erzählt aus der Perspektive eines Kindes. Die oftmals prekäre Situation von Mietern ist aktuell ein viel diskutiertes Thema, für das Tina Brenneisen bewusst die kindliche Sicht gewählt hat.

Erstaunlich ist die Behauptung im Corso-Beitrag, dass es wenig Frauen gebe, die Comics zeichnen, und dass Frauen es besonders schwer hätten, ihre Arbeiten bei Verlagen unterzubringen. Das traf ganz sicher bis vor cirka 10 – 15 Jahren zu, hat sich aber mittlerweile stark gewandelt, und zwar sowohl bei den unabhängigen Verlagen als auch im Mainstream. Besonders der kommerziell enorm erfolgreiche Manga wird von von Zeichnerinnen geprägt. Verlage wie avant-verlag und Reprodukt veröffentlichen schon lange eine große Anzahl von Autorinnen. Auch bei Carlsen sind Frauen im Verlagsprogramm gut vertreten. Das soll nicht heißen, dass völlige Gleichstellung erreicht wäre. Es gibt nach wie vor Comics, die von traditionellen Rollenbildern beherrscht sind und eine alternde männliche Fanszene, die sich schwer tut mit Feminismus in der Comicwelt. Es wäre aber falsch die Entwicklung und damit die weiblichen Erfolge der letzten Jahre zu unterschlagen. Frauen sind längst Akteurinnen und Produzentinnen in der Comicszene und nicht mehr auf die Rolle als Objekt des männlichen Blicks zu reduzieren.

So hat auch Tina Brenneisen sich nicht nur selbst die Möglichkeit geschaffenen, im eigenen Verlag zu veröffentlichen. Ihre 2017 mit dem Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung ausgezeichnete Graphic Novel „Das Licht, das Schatten leert“ erscheint bei der Edition Moderne im Herbstprogramm 2019. Darin geht es um den Verlust eines Kindes, das tot zur Welt kommt, um Trauer und ums Weiterleben.